Tim Stern – Entrepreneur • Investor • Builder
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Freedom & Mobility · 6 Min.

2021 habe ich Deutschland verlassen. Was sich dadurch wirklich verändert hat.

Das Interessanteste am Auswandern war für mich nicht das Wetter. Es war die Erkenntnis, wie viele Entscheidungen man anders trifft, sobald das eigene Leben nicht mehr vollständig an einen einzigen Ort gebunden ist.

2021 habe ich Deutschland verlassen.

Wenn man so einen Satz schreibt, klingt er größer, als sich die eigentliche Entscheidung damals angefühlt hat.

Es gab keinen Film-Moment.

Keinen dramatischen Abschied.

Ich habe mein Leben schlicht an einen anderen Ort verlagert.

Heute lebe und arbeite ich überwiegend auf Isla Margarita in Venezuela.

Rückblickend hat diese Entscheidung allerdings wesentlich mehr verändert als nur meine Adresse.

Entfernung verändert den Blick

Wenn man sein ganzes Leben in einem Land verbringt, wirken viele Dinge selbstverständlich.

Man kennt die Regeln.

Man kennt die Preise.

Man kennt die Abläufe.

Man weiß ungefähr, wie ein Unternehmen funktioniert, wie eine Wohnung gekauft wird oder wie ein Vertrag aussieht.

Das ist praktisch.

Es begrenzt aber auch den Vergleich.

Erst außerhalb Deutschlands habe ich angefangen, viele Dinge nicht mehr als gegeben zu betrachten.

Warum läuft ein Immobilienverkauf eigentlich genau so?

Warum braucht dieser Prozess drei Zwischenhändler?

Warum kostet eine bestimmte Leistung so viel?

Warum existiert für dieses Problem keine Software?

Warum muss ein Unternehmen zwingend so organisiert sein?

Manchmal ist die Antwort vollkommen berechtigt.

Manchmal lautet die Antwort aber schlicht: Weil man es schon immer so gemacht hat.

Diese Unterscheidung finde ich spannend.

Auswandern bedeutet für mich vor allem Optionen

Ich mag den Begriff „Aussteiger“ nicht besonders.

Ich bin nicht ausgestiegen.

Eher im Gegenteil.

Seit meinem Umzug sind mehr Unternehmen, Projekte und Verpflichtungen entstanden als vorher.

CryptoCity allein ist ein Projekt, das mich vermutlich noch sehr lange beschäftigen wird.

Dazu kommen Margarita.immo, Mission Margarita, Tim's Bar, Casa Bonita, Cocoon und weitere Projekte.

Das sieht nicht nach Rückzug aus.

Was sich verändert hat, ist etwas anderes: Ich versuche, mein Leben so zu organisieren, dass möglichst wenige Dinge von einer einzigen Struktur abhängig sind.

Das betrifft Wohnort.

Unternehmen.

Banken.

Aufenthaltsrechte.

Geschäftspartner.

Kunden.

Sprachen.

Man muss dafür nicht ständig um die Welt fliegen.

Es geht mir eher darum, Optionen zu haben.

Mobilität bedeutet für mich nicht, ständig unterwegs zu sein. Mobilität bedeutet, nicht bleiben zu müssen.

Das ist ein großer Unterschied.

Ein zweites Land macht das erste nicht schlecht

Auswandern wird online oft unnötig ideologisch diskutiert.

Entweder soll das Herkunftsland angeblich perfekt sein.

Oder das neue Land wird zum Paradies erklärt.

Beides entspricht nicht meiner Erfahrung.

Deutschland hat enorme Vorteile.

Venezuela hat enorme Nachteile.

Und umgekehrt.

Ich muss kein Land zum Gewinner erklären.

Mich interessiert, welche Umgebung für welchen Teil meines Lebens funktioniert.

Auf Margarita kann ich Projekte umsetzen, die ich an anderen Orten vermutlich nie angefangen hätte.

Gleichzeitig gibt es hier Aufgaben, bei denen ich mir deutsche Standards wünschen würde.

Diese Widersprüche gehören dazu.

Man kann einen Ort mögen und trotzdem seine Probleme sehen.

Eigentlich sollte genau das selbstverständlich sein.

Der größte Unterschied ist Verantwortung

Wenn in einem hochentwickelten System etwas fehlt, gibt es normalerweise jemanden, den man anrufen kann.

In einem weniger strukturierten Umfeld kommt häufiger der Moment, in dem man feststellt:

Niemand kommt.

Dann hat man zwei Möglichkeiten.

Man akzeptiert das Problem.

Oder man baut die Lösung selbst.

Viele meiner heutigen Unternehmen sind aus genau solchen Situationen entstanden.

Es gab kein Immobilienportal, das so funktionierte, wie ich es gebraucht hätte.

Also entstand Margarita.immo.

Menschen wollten nicht nur Immobilien sehen, sondern Unterstützung beim gesamten Neustart auf der Insel.

Daraus entwickelte sich Mission Margarita.

Bei CryptoCity mussten wir feststellen, dass man Häuser nicht einfach verkaufen kann, ohne gleichzeitig über Infrastruktur, Energie, Wasser, Community und Dienstleistungen nachzudenken.

Also wurde das Projekt immer breiter.

Ich glaube, genau das hat mein Denken seit 2021 am stärksten verändert.

Ich frage heute seltener:

„Wer ist dafür zuständig?“

Und häufiger:

„Wie lösen wir das?“

Das klingt banal.

Für mich war es wahrscheinlich die wichtigste Veränderung überhaupt.