Tim Stern – Entrepreneur • Investor • Builder
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Emerging Markets · 6 Min.

Warum ich lieber in einem schwierigen Markt baue als in einem perfekten

Ein schwieriger Markt macht das Arbeiten nicht leichter. Aber genau die Dinge, die andere abschrecken, können Raum für Unternehmen schaffen, die in entwickelten Märkten längst keinen Platz mehr hätten.

Ich glaube nicht an den Satz, dass man einfach dorthin gehen sollte, wo alles billig ist.

Billig ist kein Geschäftsmodell.

Wenn irgendwo Grundstücke, Arbeitskräfte oder Dienstleistungen weniger kosten als in Deutschland, heißt das noch lange nicht, dass man dort ein gutes Unternehmen aufbauen kann. Im Gegenteil: Oft sind Dinge günstiger, weil andere Dinge schwieriger sind.

Genau das ist der interessante Teil.

Seit ich auf Isla Margarita Unternehmen aufbaue, habe ich gelernt, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: echtem Risiko und Reibung.

Das wird oft miteinander verwechselt.

Was andere als Problem sehen

In Deutschland funktioniert vieles.

Es gibt Dienstleister für fast jedes Problem. Prozesse sind standardisiert. Banken, Behörden, Logistikunternehmen, Softwareanbieter und Fachbetriebe greifen halbwegs sauber ineinander.

Das ist angenehm.

Es bedeutet aber auch, dass jeder andere Unternehmer dieselbe Infrastruktur nutzen kann.

Der Wettbewerb ist entsprechend hoch.

Auf Margarita ist das häufig umgekehrt.

Du suchst einen Prozess und stellst fest: Den gibt es nicht.

Du suchst eine Softwarelösung für ein lokales Problem und merkst: Niemand hat sie gebaut.

Du suchst eine bestimmte Dienstleistung und bekommst drei Telefonnummern von Leuten, die vielleicht jemanden kennen.

Das kann wahnsinnig anstrengend sein.

Gleichzeitig entstehen genau dort Möglichkeiten.

Margarita.immo gibt es beispielsweise nicht deshalb, weil die Welt ein weiteres Immobilienportal gebraucht hätte.

Wir haben es gebaut, weil auf der Insel genau diese Infrastruktur gefehlt hat.

Das Gleiche passiert bei anderen Projekten immer wieder.

Ein Problem taucht oft genug auf, und irgendwann wird aus dem Problem ein Unternehmen.

Reibung ist manchmal ein Burggraben

Wenn ein Markt unbequem ist, reduzieren sich automatisch die Teilnehmer.

Nicht jeder hat Lust darauf, Dinge von Grund auf aufzubauen.

Bei CryptoCity bedeutet Entwicklung beispielsweise nicht, ein Grundstück zu kaufen, einen Architekten zu beauftragen und zwölf Monate später den Schlüssel abzuholen.

Wir beschäftigen uns mit Straßen, Wasser, Energie, Parzellierung, Geländeprofilen, Genehmigungen, Hausmodellen, Verträgen und der Frage, wie Menschen dort später tatsächlich leben.

Allein bei den Erdarbeiten wurden bereits hunderttausende Kubikmeter Material bewegt.

Das sieht auf einer Instagram-Grafik nicht besonders spektakulär aus.

Aber ohne diese Arbeit existiert das Projekt nicht.

Ich sehe solche Schwierigkeiten inzwischen anders.

Wenn ein Problem offensichtlich ist, wirtschaftlich relevant ist und trotzdem niemand es gelöst hat, interessiert mich das.

Nicht weil Schwierigkeiten automatisch Chancen sind.

Sondern weil die Fähigkeit, Probleme tatsächlich zu lösen, in solchen Märkten wertvoller wird.

Ein einfacher Markt belohnt Effizienz. Ein schwieriger Markt belohnt Problemlösung.

Nicht jedes Problem ist eine Chance

Das heißt ausdrücklich nicht, dass ich jede Schwäche eines Landes romantisiere.

Schlechte Infrastruktur bleibt schlechte Infrastruktur.

Rechtliche Unsicherheit bleibt ein Risiko.

Wenn ein Lieferant nicht liefert, ist das nicht plötzlich „Entrepreneurship“.

Und wenn für ein Projekt wesentliche Voraussetzungen fehlen, kann die richtige Entscheidung auch sein, es nicht zu machen.

Deshalb interessiert mich weniger die Frage, ob ein Land „gut“ oder „schlecht“ ist.

Ich schaue lieber konkret.

Kann ich Eigentum vernünftig strukturieren?

Kann ich bauen?

Gibt es Nachfrage?

Kann ich Mitarbeiter finden?

Kann ich Material beschaffen?

Kann ich einen funktionierenden Zahlungsprozess aufsetzen?

Welche Probleme kann ich selbst lösen und welche liegen außerhalb meiner Kontrolle?

Diese Fragen sind nützlicher als jede Länderrangliste.

Der Vorteil liegt selten dort, wo alle hinschauen

In perfekten Märkten werden offensichtliche Chancen schnell entdeckt.

Wenn eine Geschäftsidee in München funktioniert, gibt es wahrscheinlich bereits zwanzig Unternehmen, die sie professionell umsetzen.

In einem weniger entwickelten Markt kann selbst etwas scheinbar Banales einen echten Unterschied machen.

Ein ordentlich strukturiertes Immobilienportal.

Ein sauberer Verkaufsprozess.

Ein digitales CRM.

Ein vernünftiges Bauangebot.

Ein Ansprechpartner, der Deutsch, Englisch und Spanisch zusammenbringen kann.

Nichts davon klingt revolutionär.

Das muss es auch nicht.

Mich interessiert nicht, ob eine Idee beeindruckend klingt.

Mich interessiert, ob sie ein echtes Problem löst.

Und genau deshalb arbeite ich gerne in Märkten, in denen noch nicht alles fertig ist.

Man muss mehr selbst bauen.

Aber man kann eben auch mehr bauen.