Vor Kurzem saßen unsere ersten Kunden für den Hausbau mit einer Interior Designerin bei uns im Büro.
Vor ihnen lagen Materialmuster.
Böden.
Farben.
Armaturen.
Waschbecken.
Küchenvarianten.
Sanitärobjekte.
Auf dem Papier klingt das nach dem angenehmen Teil beim Hausbau.
Man sucht schöne Sachen aus.
In der Realität wurde ziemlich schnell klar, wie kompliziert so ein Prozess werden kann.
Und genau dort entstand für mich die Idee, unsere Villen stärker wie ein Produkt zu behandeln.
Zu viel Auswahl ist keine gute Kundenerfahrung
Individualität klingt immer positiv.
Aber wenn ein Kunde für jedes Detail aus theoretisch hundert Varianten wählen kann, hat man irgendwann keine Individualität mehr.
Man hat Entscheidungsstress.
Ein Autohersteller löst dieses Problem ziemlich clever.
Ich muss beim Konfigurieren eines Porsche nicht entscheiden, welcher Hersteller die Schrauben für den Sitz liefert.
Ich bekomme eine begrenzte Anzahl sinnvoller Optionen.
Außenfarbe.
Innenraum.
Felgen.
Pakete.
Ein paar technische Entscheidungen.
Ich sehe sofort, was meine Auswahl verändert.
Warum sollte Hausbau nicht zumindest teilweise genauso funktionieren?
Unsere Villen basieren ohnehin auf konkreten Modellen wie Villa Caribe, Villa Coral, Villa Uverito oder Villa Almendrón.
Die Architektur ist nicht jedes Mal ein leeres Blatt Papier.
Also muss auch der Innenausbau nicht jedes Mal bei null beginnen.
Vier Varianten sind manchmal besser als vierhundert Materialien
Für unseren ersten Prototypen des Villa-Konfigurators haben wir deshalb bewusst extrem klein angefangen.
Zwei Böden.
Zwei Küchen.
Daraus entstehen vier Varianten:
heller Boden, helle Küche.
Heller Boden, dunkle Küche.
Dunkler Boden, helle Küche.
Dunkler Boden, dunkle Küche.
Das reicht natürlich noch nicht für einen kompletten Hausbau.
Aber es reicht, um das Prinzip zu testen.
Der Kunde sieht seine Villa.
Er verändert eine Option.
Die Darstellung verändert sich.
Später könnten Badezimmer, Arbeitsplatten, Türen, Fassaden, Pooloptionen, Gartenausstattung oder technische Pakete hinzukommen.
Entscheidend ist für mich allerdings, dass daraus kein digitales Chaos entsteht.
Ein Konfigurator ist nur dann besser als ein Musterkoffer, wenn die Auswahl vorher sinnvoll begrenzt wurde.
Standardisierung ist nicht das Gegenteil von Qualität
Im Immobilienbereich wird Individualität oft automatisch mit hochwertig gleichgesetzt.
Das halte ich für falsch.
Ein standardisierter Prozess kann deutlich hochwertiger sein, weil er Fehler reduziert.
Wenn wir beispielsweise bei jeder Villa erneut entscheiden müssen, welche Solaranlage installiert wird, welcher Wassertank passt und welche technischen Komponenten miteinander funktionieren, erhöhen wir bei jedem Projekt die Komplexität.
Wenn wir dagegen erprobte Pakete definieren, können wir besser einkaufen, sauberer planen und schneller bauen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Haus identisch sein muss.
Es bedeutet, dass Entscheidungen dort standardisiert werden, wo Individualität keinen besonderen Mehrwert schafft.
Ein Kunde soll sich Gedanken darüber machen, wie sein Haus aussieht und wie er darin leben möchte.
Er sollte nicht herausfinden müssen, welchen Kabelquerschnitt irgendeine Leitung braucht.
Luxus ist nicht maximale Auswahl. Luxus ist, nur gute Entscheidungen angeboten zu bekommen.
Frühe Entscheidungen werden später teuer
Beim Bau gibt es einen weiteren Grund, Entscheidungen früh sauber zu treffen.
Eine Küchenfarbe kann man relativ leicht ändern.
Eine Steckdose später vielleicht schon weniger.
Eine Wandposition noch weniger.
Und wenn Fundamente oder Leitungen liegen, wird aus einer kleinen Planänderung schnell eine teure Baustellenentscheidung.
Deshalb möchte ich mit dem Konfigurator langfristig nicht nur schöne Renderings erzeugen.
Ich möchte Entscheidungen strukturieren.
Was muss vor Baustart entschieden sein?
Was kann später entschieden werden?
Welche Option verändert den Preis?
Welche beeinflusst die Bauzeit?
Welche Optionen schließen sich gegenseitig aus?
Was gehört zur Standardausstattung?
Was ist Sonderausstattung?
Wenn diese Informationen früh klar sind, gewinnen beide Seiten.
Der Kunde weiß, was er bekommt.
Wir wissen, was wir bauen.
Aus einem Haus wird ein Produkt
Das ist wahrscheinlich der größte Wandel, den wir bei unseren Villen gerade durchmachen.
Am Anfang denkt man architektonisch.
Wie soll das Haus aussehen?
Später denkt man operativ.
Wie kann ich dieses Haus zwanzigmal bauen, ohne zwanzigmal sämtliche Probleme neu zu erfinden?
Genau dort beginnt aus meiner Sicht die eigentliche Skalierung eines Bauprojekts.
Nicht dadurch, dass man schneller Beton gießt.
Sondern dadurch, dass man bessere Entscheidungen früher trifft.
