Tim Stern – Entrepreneur • Investor • Builder
← Field Notes

AI · 7 Min.

Ich automatisiere nicht, um weniger zu arbeiten. Ich automatisiere, damit weniger verloren geht.

Die spannendste Anwendung von AI in meinen Unternehmen ist nicht Content. Es ist die Frage, wie man verhindert, dass Informationen zwischen WhatsApp, CRM, Mitarbeitern und Monaten verschwinden.

Die meisten Diskussionen über AI beginnen bei derselben Frage:

Was kann AI für mich erstellen?

Texte.

Bilder.

Videos.

Präsentationen.

Natürlich nutze ich diese Dinge auch.

Für meine Unternehmen interessiert mich inzwischen aber eine andere Frage wesentlich mehr:

Was kann AI für mich erinnern?

Denn eines der größten Probleme wachsender Unternehmen ist nicht fehlendes Wissen.

Es ist verlorenes Wissen.

Ein Kunde erzählt seine Geschichte fünfmal

Stell dir einen Interessenten für CryptoCity vor.

Er sieht ein Video.

Dann schreibt er über WhatsApp.

Später füllt er ein Formular aus.

Ein Mitarbeiter telefoniert mit ihm.

Zwei Monate später schreibt er erneut.

Nach weiteren drei Monaten kommt er vielleicht nach Margarita.

In einem schlechten System existieren fünf unterschiedliche Versionen dieses Kunden.

Ein WhatsApp-Chat.

Ein CRM-Kontakt.

Eine Telegram-Nachricht.

Notizen von einem Mitarbeiter.

Und irgendetwas, woran ich mich glaube zu erinnern.

Genau das möchte ich abschaffen.

Wir arbeiten deshalb mit GoHighLevel als CRM und bauen zunehmend Automatisierungen über Systeme wie n8n darum.

Die Idee ist relativ einfach:

Informationen einsammeln.

Strukturieren.

Zusammenfassen.

Und zum richtigen Zeitpunkt wieder sichtbar machen.

AI ist für mich eine Übersetzungsschicht zwischen Chaos und Struktur

WhatsApp-Unterhaltungen sind beispielsweise für Menschen einfach.

Für ein Unternehmen sind sie chaotisch.

In zehn Nachrichten können plötzlich fünf relevante Informationen stecken.

Budget.

Zeitplan.

Familiengröße.

Interesse an einer bestimmten Villa.

Eine offene Rechtsfrage.

Ein Mitarbeiter müsste diese Informationen eigentlich jedes Mal sauber ins CRM übertragen.

In der Realität passiert das mal besser und mal schlechter.

Hier wird AI interessant.

Ein Sprachmodell kann eine Unterhaltung analysieren und beispielsweise eine kurze deutsche CRM-Notiz erzeugen:

Was möchte die Person?

Was wurde bereits besprochen?

Welche Fragen sind offen?

Was wäre der nächste sinnvolle Schritt?

Damit ersetzt AI nicht den Verkäufer.

Sie verhindert, dass der Verkäufer jedes Gespräch erneut rekonstruieren muss.

Das ist für mich eine wesentlich praktischere Anwendung als irgendein Chatbot, der dem Kunden vorgaukelt, ein Mensch zu sein.

Automatisierung darf keine Beziehung zerstören

Gerade bei Immobilien ist das wichtig.

Niemand kauft ein Grundstück oder ein Haus, weil er besonders viele automatische Nachrichten erhalten hat.

Bei hochpreisigen Entscheidungen braucht es Vertrauen.

Und Vertrauen entsteht irgendwann zwischen Menschen.

Deshalb möchte ich nicht jeden Kontakt durch einen komplett automatisierten Funnel drücken.

Automatisierung sollte die menschliche Arbeit vorbereiten.

Ein gutes System kann beispielsweise erkennen:

Diese Person hat gestern erneut geantwortet.

Diese Frage ist seit zwei Wochen offen.

Dieser Interessent wollte im September nach Margarita kommen.

Dieser Kunde hat bereits ein Grundstück und interessiert sich jetzt für den Hausbau.

Dann kann ein Mensch sinnvoll reagieren.

Das ist deutlich besser, als 1.000 Kontakte mit derselben Nachricht zu beschießen.

Die beste Automatisierung merkt der Kunde häufig gar nicht. Er merkt nur, dass das Unternehmen sich erinnert.

Unsere Systeme sollen irgendwann miteinander sprechen

Das eigentliche Ziel geht deshalb weiter als einzelne AI-Prompts.

Wir haben Daten an vielen Orten.

Website.

GA4.

Hotjar.

Facebook- und Instagram-Werbung.

Google Ads.

GoHighLevel.

WhatsApp.

Telegram.

YouTube.

Jedes System sieht einen kleinen Ausschnitt.

Interessant wird es, wenn diese Ausschnitte zusammengeführt werden.

Dann könnte ich bei einem Kontakt irgendwann nicht nur sehen, dass er seine Telefonnummer hinterlassen hat.

Sondern auch:

Woher kam er?

Welche Seite hat er gesehen?

Welche Inhalte interessieren ihn?

Hat er bereits mit uns gesprochen?

Was wurde vereinbart?

Gab es seitdem neue Aktivität?

Welche Frage ist noch offen?

Das klingt technisch kompliziert.

Aus Nutzersicht ist es aber extrem simpel.

Ich möchte einen Menschen anklicken und verstehen, was passiert ist.

AI ersetzt vor allem schlechte Informationsarbeit

Ich glaube deshalb auch nicht, dass AI in meinen Unternehmen kurzfristig primär Menschen ersetzt.

Sie ersetzt zuerst Copy-and-Paste.

Suchen.

Sortieren.

Zusammenfassen.

Vergessen.

Doppelte Dateneingabe.

Und das ständige erneute Lesen alter Gespräche.

Das sind Aufgaben, die sowieso niemand besonders gerne macht.

Wenn ein Mitarbeiter dadurch statt zehn Minuten Recherche zwei Minuten Vorbereitung braucht, ist das interessant.

Wenn wir dadurch nach sechs Monaten noch wissen, was einem Kunden wichtig war, ist es noch interessanter.

Und wenn wir irgendwann hunderte oder tausende Kontakte betreuen können, ohne dass die Qualität der Informationen zusammenbricht, entsteht ein echter Vorteil.

Deshalb beschäftige ich mich aktuell so intensiv mit AI und Automatisierung.

Nicht weil ich ein Unternehmen ohne Menschen bauen möchte.

Sondern weil ich Unternehmen bauen möchte, in denen Menschen ihre Zeit nicht damit verbringen, Informationen zu suchen, die das Unternehmen längst einmal hatte.